Am Anfang des letzten Jahrhunderts gab es in Deutschland zahlreiche kleine Vergnügungsparks. Teilweise in recht opulenter Ausstattung. Hier versuche ich nun einen kleinen Einblick zu geben, zumindest was meine Informationen hergeben. Teils ist es recht schwierig an Bilder und Informationen zu kommen, und auch Zeitzeugen gibt es wohl nur noch sehr wenige. Falls also jemand ergänzen kann und will, wäre ich sehr dankbar!

Lunapark Berlin Halensee

Wohl einer der schönsten Parks befand sich in Berlin Halensee. Das Gelände wurde am 14. Mai 1904 als "Terrassen am Halensee" vom Gastronom August Aschinger und dem ehemalige Küchenchef bei Kempinski, Bernhard Hoffmann eröffnet.
Ab 1920 hieß das Gelände dann "Lunapark

Die Attraktionen dort sollen jährlich gewechselt haben, und es waren neben Shimmy-Treppe auch Wasserrutschbahn, Gebirgsbahn, Wirbelschaukel, Teufelsscheibe, Somalidorf etc. dort vorhanden. Lunapark Leipzig-Wahren am Auensee

 

 

Es gab Tanzturniere und Boxkämpfe. Max Schmeling soll dort 1926 seinen ersten Titelkampf gehabt haben.

Der Park muss eine kaum vorstellbare Größe gehabt haben. So sollen alleine die Restaurants mehr als 16.000 Sitzplätze gehabt haben.
Man sagt alleine im Bayerndorf sollen in den Hochzeiten 35.000 Bockwürstchen täglich verzehrt worden sein.
Zeitweise soll es jeden Abend zum Abschluss ein Feuerwerk gegeben haben.

Am 9. Mai 1929 gab es eine Neueröffnung des Lunaparkes, da der erste Weltkrieg und die Inflation reichlich Spuren hinterlassen haben. An alte Glanzzeiten konnte aber wohl nicht mehr angeknüpft werden.
1933 wurde der Park geschlossen (am 16.10. Konkurs angemeldet), 1934 komplett abgerissen.

 

Lunapark Hamburg Altona

Auch in Hamburg gab es einen attraktiven Lunapark. Dieser befand sich im Stadtteil Altona. Noch heute ist nach ihm eine Straße benannt.

Daten über diesen Park sind schwer zu finden, jedoch scheint festzustehen, dass Karussellkönig Hugo Haase die Leitung dieses Parks 1923 übernommen hat, nachdem der Hugo Haase Park 1922 schließen musste.



 

Ein weiterer Lunapark befand sich in Leipzig-Wahren am schönen Auensee. Der Lunapark muss etwa ab 1912 bis 1932 existiert haben. 1912 wurde zumindest die Luna-Park GmbH gegründet. Diese GmbH verpachtete wiederum die Grundstücke an verschiedene Schausteller und Wirte.

Auf dem Gelände rund um den Auensee sollen sich zahlreiche Attraktionen befunden haben, wie z.B. die für die Zeit typische Gebirgsszeneriebahn, ein Hippodrom, ein Motodrom und eine Lunabahn, die um den See führte. Tanzpaläste rundeten das Angebot noch ab.

Ende der 1920er Jahre ging es mit dem Park wirtschaftlich bergab. Heutzutage befinden sich auf dem ehemaligen Gelände des Lunaparks zahlreiche Freizeitsportmöglichkeiten. Neben Fahrrad- und Bootsverleih sowie Grillplätzen ist dort auch eine Parkeisenbahn  (wieder) zu finden.

 

Luna-Vergnügungspark Dortmund-Fredenbaum

Der "Luna-Vergnügungspark" Fredenbaum wurde am 12.04.1923 eröffnet.
Geleitet wurde der Park von J. Windheuser, der ein Startkapital von 60.000 Reichsmark dafür zur Verfügung hatte. Es gab dort zahlreiche Attraktionen, wie zum Beispiel eine Sommer-Rodelbahn oder eine Wasser-Rutschbahn. Auch ein Teufelsrad gab es dort, ein Hippodrom, ein Autokarussell und ein Somalidorf "mit echten Negern".
Bereits nach einem Monat konnte man den 325.000. Besucher feiern.
1940 wurde der Park geschlossen.

 

 

Wenn man über vegessene Parks spricht, so sollte man auf jeden Fall einen Blick über den großen Teich auf Coney Island werfen. Sicher gibt es in den USA auch einige verlassene Parks, auf deren Grundstücken Karussells vor sich hinrotten, aber keine Park hat so eine gleichzeitig glorreiche und traurige Vergangenheit wie Coney Island.

Spricht man von Coney Island, sind eigentlich mehrere, eigenständige Vergnügungsparks gemeint.

Sea Lion Park

Der Sea Lion Park existierte von 1895 bis 1902. Paul Boyton betrieb dort einen Wasserzirkus, in dem er Seelöwen vorführte. Dort schwamm er in seinem selbst entwickelten Schwimmanzug mit den Tieren um die Wette.

Ergänzend gab es ein „Shoot-the-Chutes“ (Wasserbahn), sowie eine Achterbahn mit einem Looping. Bedauerlicherweise gab es in den folgenden Jahren keinerlei Ergänzungen, so dass die Gäste ausblieben, und Boyton den Park 1902 aufgeben musste. Die Attraktionen wurden an Frederic Thompson und Elmer Dundy vermietet, die diese in ihrem Lunapark integrierten.
 
Steeplechase Park
 
1897 gründete George Cornelius Tilyou seinen Steeplechase Park. Namensgeber das Parks war ein mechanisches Pferderennen, bei dem man auf 6 nebeneinander laufenden Bahnen gegeneinander um die Wette „reiten“ konnte. Zusammen mit einem Riesenrad stellte das Steeplechaserennen die Hauptattraktionen des Parks dar.
Ein großer Teil des Parks wurde am 28. Juli 1907 bei einem Großfeuer, ausgelöst durch eine achtlos weggeworfene Zigarette, zerstört.
Bereits ein knappes Jahr später war der Steeplechase Park wieder aufgebaut. Im Park wurde diesmal eine etwa 140 x 80 m große Halle aufgebaut, der Pavilion of Fun, in dem sich diverse Karussells befanden.
Ergänzt wurde das Angebot unter anderem mit Schwimmbad, Autoscooter, Achterbahn und „Tunnel of Love“.
Ein erneuter Brand am 16. September 1939 zerstörte erneut große Teile des Parks.
1941 wurde der Parachute Jump auf dem Parkgelände errichtet, nachdem er in New York auf der Weltausstellung gestanden hatte. Der Parachute Jump steht auch heute noch auf Coney Island, wenn auch bedauerlicherweise außer Funktion.
Aufgrund von Unstimmigkeiten innerhalb der Familie Tilyou und generellen sozialen Niedergangs des Viertels nach dem zweiten Weltkrieg ging es mit dem Steeplechase Park bergab. Die Besucher blieben aus. Neue Sicherheitsbestimmungen konnten nicht erfüllt werden.
Am 20. September 1964 schloss der Park endgültig.

Fortsetzung folgt!

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