Zur Person:

Der Karussellkönig Hugo Haase war eine der wichtigsten Personen in der Geschichte der Schaustellerei. Der Sohn eines Kapellmeisters wurde am 01.06.1857 in Winsen an der Luhe geboren. Nach seiner Schlosserlehre und seiner Militärzeit arbeitete er sich in der Maschinenfabrik Hövermann & Jürgens in Hamburg-Altona zum Firmenleiter hoch. Diese Firma gehörte damals auch zu den ersten Herstellern von Dampfschiffkarussells, was wohl wegweisend für Haases weiteren Lebensweg war.

 

1887 machte Hugo Haase sich als Karussellfabrikant in Rossla a. Harz selbständig. Ihm zuzurechnen sind zahlreiche Fahrgeschäfte wie Berg- und Talbahnen, Figur-8-Bahn, Stufenbahnen, Tobbogan, Polonaisenbahn, usw. 1894 etwa zog Haase nach Leipzig um. Da er nicht nur Karussellfabrikant sondern auch Schausteller war, schien dieser Ort besser gelegen.

1909 schließlich wurde der Firmensitz nach Hannover verlegt.

Im Jahre 1914 war Hugo Haase mit sage und schreibe 25 Geschäften gleichzeitig auf Reise. Haase legte auch den Grundstein für die mobilen Wasserbahnen. Zuerst verwirklichte er nach dem Muster der in den USA entwickelten "Shoot-the-chutes" stationäre Anlagen zum Beispiel in seinem Park in Hamburg-Stellingen. Mitte der 1920er Jahre schickte Haase die erste hölzerne Wasserbahn auf die Reise.

 Nachdem Hugo Haase am 13.09.1933 in Hannover verstarb, wurde die Firma im Verwandtenkreis noch bis 1967 weiter betrieben. Bedauerlicherweise wurden zehn Jahre später die Firmenunterlagen vernichtet.

© unbekannt

Karussells von Hugo Haase:

Es ist unmöglich, alle zu benennen, aber trotzdem möchte ich Euch / Ihnen einige nicht vorenthalten.

Das wandelnde Trottoir

In den Jahren 1894 und 1895 stand Hugo Haase mit einem Fahrgeschäft u.a. auf dem Bremer Freimarkt, welches "Das wandelnde Trottoir" genannt wurde. Bei diesem Karussell konnten auf drei Podien, die mit verschiedenen Winkelgeschwindigkeiten kreisten, 300 (!) Personen gleichzeitig befördert werden. Angetrieben wurde es durch eine fahrbare Lokomobile mit 40 PS.

Autobahn

In den 1920er Jahren betrieb Haase die erste "Autobahn", bei der die Fahrgäste in einem von 14 Original-Open-Wagen Typ Laubfrosch sitzen konnten. Dieses Fahrgeschäft war sehr personalaufwendig, da für jedes Fahrzeug ein Chauffeur benötigt wurde, der die Fahrfehler der Fahrgäste ausmerzen konnte und musste. Freilich ahnte der Fahrgast nichts davon, denn der Chauffeur saß versteckt in der Heckverkleidung des Wagens.

Grand Caroussel Noblesse

Es muss ca. um 1900 gebaut worden sein. Es war ein riesiger Karussellpalast mit einer opulenten, ansprechenden Front. Also nicht ein frei stehendes Karussell, sondern eine Stufenbahn, die hinter einer Fassade "versteckt" war.
Im Inneren des Baus befanden sich rund herum Gemälde an den Wänden, die Gäste die gerade nicht fuhren, konnten bequem auf den bereit gestellten Sitzbänken Platz nehmen, und sich am Büffet ein Getränk kaufen.
Über 3000 Glühlampen erhellten das Innere; und das zu einer Zeit, in der Elektrizität bei weitem keine Selbstverständlichkeit war. Die Musik wurde durch eine große Orgel erzeugt.
Jeweils am Dienstag und Freitag fanden so. gen. "Eliteabende" statt, bei denen wohl die Post abging, denn an die Gäste wurde kostenlos Konfetti verteilt; Papierboas, Tamburins...
Und am Mittwoch und Samstag Nachmittag fanden Kinderfeste statt, bei denen es für die Kleinen Geschenke gab. Damals freute man sich sicher noch über Hampelmänner, Fahnen, etc.

 

Parks:

Hugo Haase Park

Dieser Park befand sich in Hamburg Stellingen. Gegründet wurde er 1914, geschlossen allerdings bereits 1922 wieder. Immerhin 1.635.000.- Mark sollen damals in den Park investiert worden sein, der mit zahlreichen Attraktionen wie Gebirgsszeneriebahn, Wasserbahn oder "Lebenden Irrgarten" aufwartete. Die Stadt Hamburg ließ für diesen Park sogar ein separates Elektrizitätswerk bauen.

Heute gehört die Fläche des ehemaligen Hugo-Haase-Parks zum bekannten Tierpark Hagenbeck, der auch damals bereits existent war. Wer den Tierpark früher besucht hat - als der Haupteingang sich nicht direkt bei der U-Bahnstation befand, sondern man durch das wunderschöne Tor, das eigentlich Wahrzeichen von Hagenbeck ist, gehen musste - wird vermutlich über das Gelände des alten Hugo-Haase-Parks gegangen sein.

Der Grottenbach im Hugo-Haase-Park (Motiv einer Ansichtskarte)

Lunapark

Vom Lunapark in Hamburg-Altona zeugt noch heute eine Straße in dem Stadtteil. Viel mehr ist nicht davon übrig geblieben. Informationen darüber zu finden ist mühselig. 1923 übernahm Hugo Haase diesen Park und soll seine Attraktionen aus dem 1922 geschlossenen Hugo-Haase-Park mit in den Lunapark gebracht haben.

Schweizerhaus im Lunapark, Motiv einer Ansichtskarte

Links:

 Quellen u.a. die Ausstellung "Zur Schau gestellt" und das entsprechende Begleitbuch, das Buch von Florian Dering Volksbelustigungen, welches in keinem Bücherbord fehlen sollte, auch wenn es leider sehr schwer zu bekommen ist, sowie mein eigenes Archiv unter Mithilfe von Schaustellern des Hamburger Doms.

Anmerkung: Über eine Ergänzung - besonders gerne auch durch Abbildungen - von Euch wäre ich sehr erfreut!

Ansichtskarte vom Grand Carrousel Noblesse
 

powered by Beepworld